FTC verhängt 250 Millionen Dollar gegen Amway und zwei Partnerfirmen
Die US-Handelsbehörde FTC hat gegen den Multi-Level-Marketing-Konzern Amway Corp sowie die Partnerunternehmen World Wide Group LLC und Leadership Team Development Inc. eine Zahlung von 250 Millionen Dollar festgesetzt. Nach Angaben der Behörde handelt es sich um die höchste finanzielle Rückerstattung, die je in einem FTC-Verfahren gegen ein Multi-Level-Marketing-Unternehmen erreicht wurde.

Rekordsumme nach Klage des Bundesstaates Washington
Die US-amerikanische Federal Trade Commission (FTC) hat gegen die Amway Corp sowie deren Partnerunternehmen World Wide Group LLC (WWG) und Leadership Team Development Inc. (LTD) eine Zahlung in Höhe von 250 Millionen Dollar festgesetzt. Amway zählt zu den größten Multi-Level-Marketing-Unternehmen der Vereinigten Staaten.
Ausgelöst wurde das Verfahren durch eine Klage des Bundesstaates Washington gegen das Unternehmen wegen unlauterer und irreführender Geschäftspraktiken.
Nach Darstellung der FTC handelt es sich bei der festgesetzten finanziellen Kompensation um die höchste finanzielle Rückerstattung, die jemals in einem FTC-Verfahren gegen ein Multi-Level-Marketing-Unternehmen erzielt wurde. Nahezu die gesamte Summe soll der Entschädigung jener Verbraucherinnen und Verbraucher dienen, die durch die mutmaßlich irreführenden Praktiken geschädigt wurden. Damit die Sanktion rechtskräftig wird, ist noch die Zustimmung eines Bundesrichters erforderlich.
Die Vorwürfe: Druck auf 'unabhängige Geschäftsinhaber'
Die FTC und der Bundesstaat Washington werfen Amway und seinen Partnern vor, die beitretenden sogenannten 'unabhängigen Geschäftsinhaber' (Independent Business Owners, IBO) mit Versprechungen ohne reale Grundlage unter Druck gesetzt zu haben, Amway-Produkte zu kaufen, die sie nicht wollten und die sich nur schwer weiterverkaufen ließen.
Zudem sollen Amway und die Partnerunternehmen die IBO angewiesen haben, Produktverkäufe zu melden, die tatsächlich nie stattgefunden hatten. Damit sei der Eindruck erweckt worden, es gehe bei der Geschäftsmöglichkeit um den Verkauf von Produkten und nicht um die Anwerbung neuer IBO.
Christopher Mufarrige, Direktor des Büros für Verbraucherschutz der FTC, erklärte, Amway und seine Partner hätten potenzielle Mitarbeitende mit falschen Angaben getäuscht und sie anschließend unter Druck gesetzt, Produkte zu erwerben, die sie voraussichtlich nicht verkaufen konnten. Die FTC dulde es nicht, wenn Unternehmen Beschäftigte mit falschen Angaben täuschten oder das Melden nicht erfolgter Verkäufe förderten.
Amway bietet eine Geschäftsmöglichkeit an, bei der IBO Konsumgüter vertreiben können – von Nahrungsergänzungsmitteln über Energydrinks bis hin zu Gesundheits- und Schönheitspflegeprodukten.
Rolle der 'zugelassenen Anbieter' WWG und LTD
WWG und LTD sind die beiden größten sogenannten 'zugelassenen Anbieter' von Amway. Sie werben neue Mitglieder für den Kreis der Amway-IBO an und verkaufen diesen Schulungsmaterialien und Dienstleistungen, die den Vorwürfen zufolge als unerlässlich für den Weg zum erfolgreichen IBO dargestellt wurden.
In diesen Schulungen seien die IBO angewiesen worden, monatlich eine feste Produktmenge abzunehmen – unabhängig davon, ob sie diese verkaufen konnten oder überhaupt wollten. Ihre Zeit sollten sie stattdessen darauf verwenden, weitere Personen anzuwerben, die dasselbe Muster wiederholen. Nach Einschätzung der FTC zwang dieses System die IBO in unlauterer Weise dazu, Amway-Produkte unabhängig von der tatsächlichen Nachfrage zu kaufen.
Auflagen zur Änderung der Geschäftspraktiken
Neben der Zahlung verpflichtet die FTC Amway und die Partnerunternehmen dazu, ihre Praktiken zu ändern. Sie dürfen IBO künftig nicht mehr zum Kauf unverkäuflicher Produkte drängen und sollen Transparenz fördern.
Darüber hinaus müssen die Provisionen für Anwerbende in jenen Fällen gesenkt werden, in denen IBO die erworbenen Produkte nicht verkaufen können.