150 Jahre Innovationsgeschichte des Direktvertriebs: von Southwestern bis Tupperware
Die Direktvertriebsbranche ist heute zu einem globalen Sektor von 200 Milliarden Dollar herangewachsen, dessen Wurzeln bis zum Buch- und Bürstenverkauf des 19. Jahrhunderts zurückreichen. Der Überblick von Direct Selling News geht die Unternehmer und Firmen durch, deren Innovationen die Entwicklung des Vertriebskanals geprägt haben.

Vom bücherverkaufenden Missionar bis zum Teppichhersteller
Die Wurzeln des Direktvertriebs reichen bis 1855 zurück, als James Robinson Graves den Vorläufer des heutigen Southwestern Advantage gründete und Bücher und Bibeln über Studenten im Direktverkauf von Tür zu Tür vertrieb. Das Unternehmen diente zugleich der Vermittlung unternehmerischer Fähigkeiten, eine Tradition, die bis heute im Rahmen der Southwestern Family of Companies fortbesteht.
1883 starteten Carl und Adolf Vorwerk im deutschen Wuppertal ihr Unternehmen als Teppich- und Textilhersteller, das mit der Zeit zu einem der größten Direktvertriebsunternehmen heranwuchs. Vorwerk stellte 1929 den Staubsauger Kobold vor, 1961 die Küchenmaschine VKM5 und 1971 das erste Thermomix-Gerät. Zudem stieg das Unternehmen 1968 mit der Gründung der akf bank in Finanzdienstleistungen ein. Heute ist Vorwerk in mehr als 60 Ländern präsent, sein Umsatz betrug 2024 rund 4,1 Milliarden Dollar, womit es auf der DSN-Global-100-Liste den 5. Platz belegt.
Die Ära von Avon und Fuller Brush
1886 gründete David H. McConnell das Unternehmen California Perfume Company, das später unter dem Namen Avon weltweit bekannt wurde und das Frauen als Vertriebspartner beschäftigte, in einer Zeit, in der ihnen kaum vergleichbare Möglichkeiten zur Verfügung standen. Avon war in seiner Blütezeit in mehr als 100 Ländern präsent, beschäftigte über zehn Millionen Vertriebspartner und hatte einen Jahresumsatz von mehr als 10 Milliarden Dollar.
1906 gründete Alfred C. Fuller in Hartford im Bundesstaat Connecticut das Unternehmen Fuller Brush, das anfangs Bürsten im Direktverkauf von Tür zu Tür vertrieb. In den 1940er Jahren führte das Unternehmen den Einsatz weiblicher Vertreterinnen ein, der sogenannten „Fullerettes“, und wandte sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts allmählich den modernen Direktvertriebsmodellen zu.
Bis 1920 formalisierte Jim Kirby das Direktvertriebssystem seiner Staubsauger, das auf Vorführungen zu Hause beruhte. Die Marke Kirby wird heute von Right Lane Industries betrieben, die das Unternehmen 2021 von Berkshire Hathaway erwarb.
Das Party-Plan-Modell und das Aufkommen des MLM
1931 gründete Frank Stanley Beveridge das Unternehmen Stanley Home Products in Westfield, Massachusetts, das ab 1938 auf den Direktvertrieb umstieg und das sogenannte „Hostess-Party“-Modell einführte, das Produktvorführungen in ein geselliges Ereignis verwandelte. Das Angebot des Unternehmens umfasste mehr als 220 Produkte, und sein Party-Format beeinflusste später bekannt gewordene Persönlichkeiten der Branche wie Brownie Wise, Mary Kay Ash und Mary Crowley.
1934 gründete Carl Rehnborg das Unternehmen Nutrilite, das eines der ersten pflanzenbasierten Multivitaminpräparate entwickelte. 1945 führte Nutrilite das erste moderne mehrstufige Provisionssystem ein, das es den Vertriebspartnern ermöglichte, auch an der Leistung der von ihnen rekrutierten Mitarbeiter beteiligt zu werden. Das Unternehmen bot auch Jay Van Andel und Rich DeVos den Ausbildungshintergrund, die später Amway gründeten, das 1972 eine kontrollierende Beteiligung an Nutrilite erwarb.
Auf dem Markt für Küchengeräte gründete J.O. Riegal 1945 das Unternehmen Regal Ware, das Kochgeschirr unter Eigenmarken für mehrere Direktvertriebsunternehmen herstellte, und übernahm 1979 das 1946 von Harry Lemmons gegründete Unternehmen Saladmaster, das für seine wasserlosen Kochsysteme bekannt wurde.
1946 ließ Earl Tupper sein luftdicht schließendes „Burp“-System patentieren, auf dem Tupperware aufbaute. Wirklich bekannt machte die Marke jedoch Brownie Wise, die ab 1951 das System der Party-Plan-Vorführungen ausarbeitete und 1954 die erste Frau wurde, die auf das Titelblatt des Magazins Business Week kam. Tupperware gelangte danach in mehr als 100 Länder und wurde zu einer der bekanntesten Haushaltsmarken.
Quelle: directsellingnews.com. Der Artikel wurde mit einem eigenen Text der Redaktion erstellt.