225 Millionen US-Dollar: FTC und Washington einigen sich vorläufig mit Amway
Die Federal Trade Commission und der US-Bundesstaat Washington haben am 17. September 2026 Klage gegen Amway, die World Wide Group und Leadership Team Development eingereicht und zugleich einen Vergleichsvorschlag beim Gericht hinterlegt. Vorgesehen sind eine Zahlung von 225 Millionen US-Dollar sowie umfangreiche Auflagen für das künftige Geschäftsmodell.

Klage und Vergleichsvorschlag am selben Tag
Am 17. September 2026 haben die US-Handelsbehörde Federal Trade Commission (FTC) und der Bundesstaat Washington ein Verfahren gegen Amway, die World Wide Group und Leadership Team Development eingeleitet. Parallel dazu wurde dem Gericht ein ausgehandelter Vergleichsvorschlag vorgelegt, der eine Zahlung von insgesamt 225 Millionen US-Dollar und weitreichende Verpflichtungen vorsieht.
Rechtskräftig wird die Vereinbarung erst mit Zustimmung des Gerichts; bis dahin trägt der Fall den Status "Pending". Nach Darstellung der FTC wäre es die höchste finanzielle Einigung, die jemals in einem Verfahren gegen ein Network-Marketing-Unternehmen erzielt wurde. Die 225 Millionen US-Dollar sollen nahezu vollständig der Entschädigung jener IBOs dienen, die Verluste erlitten haben.
Die Vorwürfe der Behörden
Kern der Klage ist der Vorwurf, dass Teilnehmerinnen und Teilnehmern ein zu positives Bild der Verdienstmöglichkeiten vermittelt worden sei. Die 83-seitige Klageschrift verweist auf Aussagen über Jahreseinkommen von 40.000 US-Dollar oder mehr, auf das Versprechen, ein reguläres Arbeitseinkommen ersetzen zu können, sowie auf die in Aussicht gestellte Möglichkeit eines frühen Ruhestands. Unter Berufung auf Amways eigene Daten hält die FTC fest, dass nur ein kleiner Teil der IBOs diese Bonusstufen tatsächlich erreicht habe.
Kritisiert wird zudem, dass bei der wirtschaftlichen Darstellung Produktkäufe, Schulungskosten und weitere Ausgaben nicht ausreichend berücksichtigt worden seien. Viele Teilnehmende hätten laut FTC mehr für Produkte und Trainings ausgegeben, als sie an Einnahmen von Amway erhalten hätten.
Ein weiterer Prüfpunkt war die Frage, wie stark das Geschäft auf echter externer Kundennachfrage beruht. Nach Feststellung der Behörde ging 2023 ein großer Teil der US-Produktverkäufe direkt an IBOs und nicht an externe Kundinnen und Kunden. Einzelne Kundenverkäufe seien nicht zuverlässig dokumentiert oder teilweise fiktiv gewesen.
Die Position von Amway
Amway widerspricht der Darstellung des eigenen Geschäftsmodells durch die FTC und den Bundesstaat Washington entschieden. Das Unternehmen verweist darauf, dass seine IBOs schon heute an klare Verhaltensstandards gebunden seien und echte Produkte an echte Kundinnen und Kunden verkauften. Die eigenen Verkaufsdaten sollen laut Amway weiterhin Bestandteil des Kontrollsystems bleiben.
Mit dem Vergleich ist kein Schuldeingeständnis verbunden. Amway betrachtet die Vereinbarung als Kompromiss zur Beilegung der rechtlichen Auseinandersetzung.
Auflagen und Einordnung
Der geplante Vergleich sieht vor, dass Kundenverkäufe künftig genauer dokumentiert werden müssen. Für die vollständige Anrechnung des Business Volume müssen qualifizierte Kundenverkäufe mindestens 70 Prozent des monatlichen Produktvolumens erreichen; bei einem niedrigeren Anteil verringert sich das anrechenbare Volumen anteilig.
Auch die Anforderungen an Recruiting und Schulungen werden verschärft: Neue wie bestehende IBOs müssen verpflichtende Compliance-Trainings absolvieren, und für bestimmte Vergütungen sind nachweisbare Kundenverkäufe vorzulegen. Bei fiktiven oder falsch gemeldeten Kundenverkäufen drohen abgestufte Sanktionen bis hin zur Kündigung des Vertrags. Im ersten Jahr entfallen für neue IBOs bestimmte Schulungs- und Servicegebühren von Approved Providern.
Rechtlich gilt die Einigung nur für die beteiligten US-Parteien; eine automatisch neue Regulierung für alle Network-Marketing-Unternehmen weltweit entsteht daraus nicht. Historisch knüpft der Fall an ein bekanntes FTC-Verfahren gegen Amway aus den 1970er-Jahren an, das die rechtliche Bewertung der Branche in den USA jahrzehntelang prägte. Damals stand die Frage im Mittelpunkt, wann Network Marketing als legales Vertriebssystem gilt und wann als Pyramidenspiel.